Seit dem 2. Februar 2026 setzt jede öffentliche Auftragsvergabe in Italien die Einhaltung der aktualisierten Mindestumweltkriterien (Criteri Ambientali Minimi, CAM) für das Bauwesen voraus. CAM sind keine Empfehlungen, sondern verbindliche Anforderungen, die in jeder öffentlichen Ausschreibungsunterlage verankert sind. Ein Bauprodukt, das sie nicht erfüllt, wird vom Wettbewerb ausgeschlossen. Unabhängig von Preis oder technischer Leistung.
Die jüngste Aktualisierung (Ministerialdekret vom 24. November 2025) erweitert die abgedeckten Produktkategorien, führt ESG-Kriterien ein und dehnt die Pflichten auf private Bauträger aus, die öffentliche Infrastrukturvorhaben ausführen.
Was das für Unternehmen bedeutet
Der Marktzugang ist an die Umweltdokumentation gekoppelt. CAM wirken auf zwei Ebenen. Erstens über verpflichtende Mindestanteile an Rezyklat (je nach Material zwischen 5 % und 75 %), die als Ausschlusskriterium fungieren. Zweitens über Punkte bei den Zuschlagskriterien für verifizierte Umweltzertifizierungen wie EPDs. In Wettbewerbsverfahren, in denen die Abstände zwischen den Bietern gering sind, entscheiden diese Punkte über den Zuschlag.
EPDs sind das wirksamste Instrument zur Erfüllung. Die Regelung erkennt sieben Arten von Umweltzertifizierungen an. Die EPD (Umweltproduktdeklaration, konform mit EN 15804 und ISO 14025) ist jedoch die einzige, die den gesamten Produktlebenszyklus abdeckt, sich sowohl für die verpflichtenden Schwellenwerte als auch für die Zuschlagskriterien qualifiziert und international anerkannt ist – für private Ausschreibungen, europäische Exportmärkte und Nachhaltigkeitsstandards wie LEED, BREEAM und ITACA.
Die Vorlaufzeiten sind ein ernstzunehmendes Risiko. Der klassische Weg zu einer EPD über externe Berater dauert bis zu zwölf Monate. Unternehmen, die noch nicht mit der Vorbereitung ihrer Umweltdokumentation begonnen haben, riskieren, von laufenden, aus dem italienischen Aufbau- und Resilienzplan (PNRR) finanzierten Ausschreibungen und öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen zu werden.
Der Geltungsbereich wächst. Die aktualisierten CAM erfassen nun auch zuvor ausgenommene Produktkategorien (Sanitärarmaturen, Sanitärkeramik, gebäudetechnische Anlagen, Isolierglas, Steinzeugrohre) und führen ESG-Anforderungen für teilnehmende Unternehmen ein.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Prüfen Sie Ihre aktuelle Umweltdokumentation. Fehlt Ihrem Produkt eine EPD oder eine der sieben von den CAM anerkannten Zertifizierungen, können Sie die Konformität nicht nachweisen und verlieren Punkte bei den Zuschlagskriterien.
Bewerten Sie Ihre Methode zur EPD-Erstellung. Für umfangreiche Sortimente oder wiederkehrende Deklarationen verkürzt eine vorverifizierte Ökobilanz-Plattform wie Emidat die Vorlaufzeiten von Monaten auf Wochen und senkt die Kosten jeder weiteren Deklaration.
Beginnen Sie vor der nächsten Ausschreibung. Unternehmen, die Zertifizierung als proaktive Investition und nicht als reaktive Pflicht verstehen, sind vorbereitet, sobald die Ausschreibung veröffentlicht wird. Wer die Dokumentation unter Zeitdruck erstellt, riskiert höhere Kosten, mehr Fehler und verpasste Chancen.
Behalten Sie die regulatorische Entwicklung im Blick. CAM werden regelmäßig aktualisiert. Auf europäischer Ebene bewegt sich die laufende Überarbeitung der EU-Bauproduktenverordnung (CPR) darauf zu, Umweltdeklarationen zu einem verpflichtenden Bestandteil der Produktdokumentation zu machen. Was heute ein Wettbewerbsvorteil ist, kann morgen zur Grundvoraussetzung werden.
Fazit
Italiens CAM-Vorgaben sind keine bürokratische Formalie. Sie bilden den Wettbewerbsrahmen für die öffentliche Beschaffung in einem der größten Baumärkte Europas. Unternehmen mit verifizierten Umweltdaten können sich am Wettbewerb beteiligen. Wer sie nicht vorweisen kann, wird ausgeschlossen.
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