April 11, 2026

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6 min

PCF vs. LCA vs. EPD: Was Hersteller über die Umweltberichterstattung wissen müssen

Zusammenfassung

  1. Was ist ein PCF? Eine Quantifizierung der Treibhausgasemissionen (CO₂e) eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus – mit ausschließlichem Fokus auf die Klimawirkung.
  2. Was ist eine Ökobilanz? Eine standardisierte Methode zur Bewertung der Umweltauswirkungen eines Produkts über alle Lebenszyklusphasen hinweg, die mehrere Wirkungskategorien abdeckt.
  3. Was ist eine EPD? Ein von Dritten verifiziertes, standardisiertes Dokument, das auf Ökobilanzdaten basiert und die Umweltauswirkungen eines Produkts transparent über mehrere Umweltindikatoren hinweg ausweist.

JWenn Hersteller produktspezifische Umweltdaten bereitstellen, kommen in der Praxis drei gängige Formate zum Einsatz: der Product Carbon Footprint (PCF), die Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA) und die Umweltproduktdeklaration (Environmental Product Declaration, EPD). Diese Formate sind eng miteinander verknüpft, unterscheiden sich jedoch in ihrem Umfang, dem Grad der Verifizierung und dem jeweiligen Einsatzzweck. Dieser Artikel erklärt die drei Formate im Detail – damit Sie einschätzen können, welches für Ihre Anforderungen das richtige ist.

1. Product Carbon Footprint (PCF) – Nur der CO₂-Blick

Der Product Carbon Footprint (PCF) ist das einfachste der drei Formate. Statt mehrere Umweltindikatoren abzubilden, konzentriert er sich auf einen einzigen: die Treibhausgasemissionen, gemessen in CO₂-Äquivalenten (CO₂e). Dadurch ist er deutlich einfacher zu berechnen, zu verstehen und zu vergleichen.

Ein PCF basiert auf der Norm ISO 14067 und kann unabhängig verifiziert werden. Einige Branchenstandards und Kundenanforderungen verlangen ausdrücklich einen verifizierten PCF. Allerdings ist die Verifizierung eines PCF nicht so stark standardisiert oder weit verbreitet wie das Drittprüfungsverfahren für EPDs.

Wie hängt der PCF mit der Ökobilanz zusammen?

Ein PCF lässt sich als Teilmenge einer Ökobilanz verstehen. Bei der Durchführung einer vollständigen Ökobilanz wird unter anderem das Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP) in CO₂-Äquivalenten berechnet – und genau dieses GWP-Ergebnis entspricht im Grunde dem PCF. Deshalb können viele Softwareplattformen den PCF automatisch zusammen mit einer vollständigen Ökobilanz ausgeben.

Wofür kann ein PCF verwendet werden?

✓ Beantwortung von Kundenanfragen nach CO₂-Daten, insbesondere in Branchen wie der Automobil- oder Stahlindustrie

✓ Schnelles Carbon-Benchmarking von Produkten

Wofür sollte ein PCF nicht verwendet werden?

✗ Erfüllung von Kundenanforderungen in der Baubranche, wo in der Regel vollständige Ökobilanzdaten in Form von EPDs verlangt werden

✗ Regulatorische Konformität mit der Bauproduktenverordnung (Construction Products Regulation, CPR), die vollständige Umweltdaten erfordert

2. Ökobilanz (LCA) – Das Gesamtbild

Die Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA) ist eine standardisierte Methode zur Quantifizierung der Umweltauswirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus. Sie folgt den Normen ISO 14040 und ISO 14044.

Eine zentrale Entscheidung bei jeder Ökobilanz betrifft die Systemgrenze – also die Frage, welcher Abschnitt des Lebenszyklus in die Untersuchung einbezogen wird. In der produktbezogenen Umweltberichterstattung werden üblicherweise folgende Systemgrenzen verwendet:

  • Cradle-to-Gate: Umfasst die Rohstoffgewinnung, den Transport und die Herstellung bis zum Verlassen des Werkstors.
  • Cradle-to-Grave: Geht über das Werkstor hinaus und schließt die Distribution, die Nutzungsphase und die Entsorgung mit ein.
  • Cradle-to-Cradle: Berücksichtigt Recycling- und Wiederverwendungskreisläufe, bei denen Materialien zurückgewonnen werden und in ein neues Produktsystem einfließen.

Im Gegensatz zum PCF, der sich ausschließlich auf Treibhausgasemissionen beschränkt, kann eine Ökobilanz mehrere Umweltindikatoren abdecken – darunter Klimawandel, Ozonabbau, Versauerung, Eutrophierung, Ressourcenverbrauch, Wassernutzung und weitere.

Ökobilanzen als Grundlage von EPDs im Bauwesen

Wenn Ökobilanzen als Basis für EPDs im Bausektor erstellt werden, müssen sie der Norm EN 15804+A2 entsprechen und alle vorgeschriebenen Umweltindikatoren enthalten. Das bedeutet, dass eine für eine EPD erstellte Ökobilanz weit über reine Treibhausgasemissionen hinausgeht und auch Indikatoren wie Ozonabbau, Versauerung, Eutrophierung, Ressourcenverbrauch und Wassernutzung umfasst.

In der Baubranche werden die Lebenszyklusphasen gemäß EN 15804+A2 in standardisierte Module gegliedert:

PhaseModuleBeschreibung
A – HerstellungA1–A3A1: Rohstoffbereitstellung
A2: Transport zum Hersteller
A3: Herstellung
A – ErrichtungA4–A5A4: Transport zur Baustelle
A5: Einbau / Errichtung
B – NutzungB1–B7B1: Nutzung
B2: Instandhaltung
B3: Reparatur
B4: Ersatz
B5: Modernisierung
B6: Betrieblicher Energieeinsatz
B7: Betrieblicher Wassereinsatz
C – EntsorgungC1–C4C1: Rückbau / Abriss
C2: Transport
C3: Abfallbehandlung
C4: Deponierung
D – GutschriftenDNettovorteile aus Wiederverwendung
Recycling
Energierückgewinnung

Die Produktkategorieregeln (Product Category Rules, PCR) für einen bestimmten Produkttyp legen fest, welche Lebenszyklusphasen deklariert werden müssen, damit die Ökobilanz als Grundlage für eine EPD dienen kann.

Wofür kann eine LCA verwendet werden?

✓ Verständnis der gesamten Umweltauswirkungen eines Produkts

✓ Identifikation ökologischer Hotspots zur Produktverbesserung und für Ecodesign

✓ Erkennen, welche Lebenszyklusphase die größten Auswirkungen hat

✓ Internes Benchmarking und Vergleich von Produktvarianten

✓ Bei Verifizierung: Konformität mit der Bauproduktenverordnung (CPR)

Wofür sollte eine LCA nicht verwendet werden?

✗ Externe Kommunikation oder Marketingaussagen über die Umweltleistung (ohne Drittprüfung)

✗ Ohne Verifizierung: Konformität mit der Bauproduktenverordnung (CPR)

3. Umweltproduktdeklaration (EPD) – Drittpartei-Verifiziert

Eine Umweltproduktdeklaration (Environmental Product Declaration, EPD) ist ein standardisiertes, von Dritten verifiziertes Dokument, das die Umweltleistung eines Produkts kommuniziert. Sie basiert auf derselben Methodik wie eine Ökobilanz und weist dieselben Umweltindikatoren aus – mit einem entscheidenden Unterschied: Eine EPD wurde von einer akkreditierten, unabhängigen Stelle geprüft. Dieser Verifizierungsschritt macht EPDs zum Goldstandard für die externe Umweltkommunikation.

EPDs werden über Programmhalter veröffentlicht (z. B. EPD Global, EPD International oder das IBU) und folgen strengen Regeln, die in Produktkategorieregeln (PCR) sowie – für Bauprodukte – in der Norm EN 15804+A2 definiert sind.

Wofür kann eine EPD verwendet werden?

✓ Beantwortung von Kundenanfragen nach verifizierten Umweltdaten

✓ Strategische Positionierung nachhaltiger Produkte am Markt

✓ Beitrag zu Gebäudezertifizierungen (LEED, BREEAM, DGNB)

✓ Berechnung und Berichterstattung von Scope-3-Emissionen mit extern glaubwürdigen Daten

✓ Vorbereitung auf die Bauproduktenverordnung (CPR), die verifizierte Ökobilanzen nach EN 15804+A2 vorschreiben wird

Zu beachtende Einschränkungen

✗ EPDs sind nicht für den direkten Produkt-zu-Produkt-Vergleich konzipiert – es sei denn, dieser erfolgt mit großer Sorgfalt

✗ Der Verifizierungsprozess erfordert Zeit und Investitionen, sofern er nicht automatisiert ist

Wie hängen PCF, Ökobilanz und EPD zusammen?

Die drei Formate stehen nicht unabhängig nebeneinander – sie bauen aufeinander auf:

  1. Starten mit Ökobilanz. Die Ökobilanz bildet die Grundlage. Mit ihr lässt sich das gesamte Spektrum an Umweltindikatoren über alle Lebenszyklusphasen hinweg analysieren.
  2. Den PCF ableiten. Der PCF ergibt sich aus der Ökobilanz, indem der GWP-Indikator isoliert wird. Viele Softwareplattformen extrahieren diesen Wert automatisch.
  3. Zur EPD verifizieren. Eine Ökobilanz, die der Norm EN 15804+A2 und den einschlägigen PCR entspricht, kann als Grundlage für eine EPD dienen. Diese wird anschließend von Dritten verifiziert und über einen Programmhalter veröffentlicht.

Ausblick: Digitaler Produktpass (DPP) – Die digitale Ebene

Der Digitale Produktpass (Digital Product Passport, DPP) ist ein von der EU eingeführter digitaler Datenträger, der die Art und Weise verändern wird, wie produktbezogene Umweltdaten geteilt und abgerufen werden. Man kann ihn sich als digitalen Ausweis für ein Produkt vorstellen – ein strukturierter, maschinenlesbarer Datensatz, der das Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus begleitet. Zugänglich über einen QR-Code direkt am Produkt, ersetzt der DPP keinen PCF, keine Ökobilanz und keine EPD. Stattdessen dient er als digitaler Container, der diese Daten in einem interoperablen, standardisierten Format transportiert.

Hersteller können mit der Emidat-Plattform bereits heute QR-Codes für ihre Produkte erstellen und ausgeben.

So unterstützt Emidat

Emidat ist die führende Plattform, der über 150 Hersteller vertrauen, um PCFs, Ökobilanzen, EPDs und DPPs eigenständig und automatisiert zu erstellen – ganz ohne vorherige Ökobilanz-Expertise.

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