Eine Environmental Product Declaration (EPD) enthält durch Dritte verifizierte Lebenszyklus-Umweltdaten für ein Produkt, häufig „von der Wiege bis zur Bahre“ (cradle-to-grave). Für das Scope-3-Treibhausgas-Reporting (GHG) gemäß GHG Protocol können diese Daten aufgeschlüsselt und den passenden Scope-3-Kategorien zugeordnet werden.
WELCHE SCHRITTE SIND NÖTIG, UM EPDS FÜRS SCOPE-3-REPORTING ZU NUTZEN?
SCHRITT 1 – SCOPE-3-KATEGORIEN VERSTEHEN
Das GHG Protocol definiert 15 Scope-3-Kategorien (z. B. eingekaufte Waren, Investitionsgüter, Transport, Nutzung verkaufter Produkte, Entsorgungsphase). Nicht alle Kategorien sind für jedes Produkt relevant, aber EPD-Daten fließen typischerweise in:
- Kategorie 1: Eingekaufte Waren und Dienstleistungen
- Kategorie 2: Investitionsgüter
- Kategorie 4/9: Upstream-/Downstream-Transport und -Distribution
- Kategorie 11: Nutzung verkaufter Produkte
- Kategorie 12: Entsorgung verkaufter Produkte (End-of-life)
SCHRITT 2 – EPD IN LEBENSZYKLUSPHASEN AUFTEILEN
EPDs folgen in der Regel EN 15804 (für Bauprodukte) oder ISO 14025 und sind in sogenannte Module strukturiert. Jedes Modul enthält EPD-Daten, die sich direkt mit Scope-3-Kategorien verknüpfen lassen:
- A1–A3 (Produktphase): Rohstoffbereitstellung, Transport, Produktion → Scope-3 Kategorie 1: Eingekaufte Waren und Dienstleistungen
- A4–A5 (Bauphase): Transport zur Baustelle, Einbau/Installation → Kategorie 4: Upstream-Transport und -Distribution oder Kategorie 2: Investitionsgüter (wenn Teil der Anlage/Assets)
- B1–B7 (Nutzungsphase): Nutzung, Reparatur, Austausch, Instandhaltung, Betriebsenergie, Wasser → Kategorie 11: Nutzung verkaufter Produkte
- C1–C4 (End-of-Life): Rückbau/Abbruch, Transport, Verarbeitung, Entsorgung → Kategorie 12: Entsorgung verkaufter Produkte
- D (jenseits der Systemgrenze): Nutzen und Belastungen außerhalb des Systems (z. B. Recyclinggutschriften) → getrennt berichten; wird nicht direkt in Scope-3 einbezogen, kann aber zur Darstellung vermiedener Emissionen genutzt werden.
SCHRITT 3 – EPD-DATEN INS SCOPE-3-REPORTING ÜBERFÜHREN
Die Umwandlung von EPD-Daten in Scope-3-Berichte umfasst im Kern vier Schritte:
- Emissionen je Modul extrahieren
Erfassen Sie die Treibhausgasemissionen (kg CO₂e) pro Modul aus der EPD.
- Zuordnung zu Scope-3-Kategorien
Ordnen Sie diese Werte den entsprechenden Scope-3-Kategorien zu (z. B. A1–A3 → Kategorie 1).
- Skalierung der Ergebnisse
EPDs berichten in der Regel je funktionaler Einheit (z. B. 1 m² Material oder 1 m³ Beton). Für Scope-3-Reporting müssen Sie auf die tatsächlich eingekauften oder verkauften Mengen hochrechnen.
- Abgleich mit Ihren Reporting-Grenzen
Legen Sie Cut-off-Regeln fest: Bei einem unternehmensweiten Scope-3-Inventar nehmen Sie nur die Kategorien auf, die für Ihre Aktivitäten relevant sind.Stellen Sie Konsistenz sicher: EPD-Ergebnisse sind standardmäßig häufig „cradle-to-gate“, sofern nicht der gesamte Lebenszyklus deklariert ist.
SCHRITT 4 – DEN SCOPE-3-BERICHT STRUKTURIEREN
Beim Aufbau Ihres Scope-3-Berichts können Sie die Daten wie folgt strukturieren:
- Eingekaufte Waren (A1–A3): Kategorie 1
- Investitionsgüter (A1–A5, wenn als Asset aktiviert): Kategorie 2
- Transport & Distribution (A4, C2):
Kategorie 4 (Upstream) oder
Kategorie 9 (Downstream)
- Nutzungsphase (B-Module): Kategorie 11
- End-of-Life (C-Module): Kategorie 12
- Modul D: separat als vermiedene Emissionen ausweisen, nicht in Scope-3-Summen einrechnen.
BEISPIEL – EPD FÜR BETON
Ein vereinfachtes, illustratives Beispiel:
- A1–A3: Rohstoffe + Produktion
→ 300 kg CO₂e pro m³, Scope 3, Kategorie 1
- A4: Transport zur Baustelle
→ 20 kg CO₂e, Scope 3, Kategorie 4
- C1–C4: Abbruch und Entsorgung
→ 50 kg CO₂e, Scope 3, Kategorie 12 - D: Recyclinggutschriften → –40 kg CO₂e (separat als vermiedene Emissionen berichten, nicht in Scope-3-Totals einbezogen)
Kurz gesagt
EPDs liefern Ihnen die „Bausteine“ für Ihr Scope-3-Inventar. Um sie zu nutzen, gehen Sie wie folgt vor:
- Ordnen Sie jedes Lebenszyklusmodul der passenden Scope-3-Kategorie zu.
- Skalieren Sie von der funktionalen Einheit auf die real eingekauften oder verkauften Mengen.
- Berichten Sie anschließend gemäß den Vorgaben des GHG Protocol.
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